Trump kann nichts mehr twittern, ohne dass dies mit einem Warnhinweis („Wahrheitsgehalt umstritten“) erscheint. Kann Netflix das bitte auch einführen? Dies fragt sich Autor Alexander von Schönburg und kommentiert die neue Staffel der Royals-Serie „The Crown".

Von Alexander von Schönburg

Ich habe mich jetzt bei „The Crown“ bis zum Ende von Staffel 4 durchgekämpft. Mein Urteil: Die Serie ist genial. Und gefährlich.

Natürlich bin ich voreingenommen: Ich bin nicht nur Peter Morgan, dem Schöpfer von „The Crown“, schon begegnet, sondern auch den meisten Figuren, die in seiner Serie vorkommen – einschließlich lustigerweise Margaret Thatcher.

Was mir das „Crown“-Gucken zur Qual macht: Fast alle Charaktere sind schief. Die Queen dauerbesorgt, Prinz Charles ein Waschlappen, Diana ein naives Dummerchen … – schlecht getroffene Karikaturen. Dazu kommen die historischen Fehler. Es gibt mehrere Bücher, die sich an den geschichtlichen Mankos von „The Crown“ abarbeiten (darunter zwei sehr gute des Historikers Hugo Vickers). Mich stören nicht so sehr die Ungenauigkeiten als die grotesken bis bösartigen Geschichtsverdrehungen.

Die Queen mochte zum Beispiel Frau Thatcher nicht. Stimmt. Morgan spinnt daraus die Fantasie, dass sie bei ihrem ersten Besuch in Balmoral von der versammelten Königsfamilie gedemütigt wird. Absurd!

Gillian Anderson (52) stellt in „The Crown“ Margaret Thatcher als jemand dar, der die Queen belehrt und geringschätzt ... (Foto: Des Willie/Netflix)
Gillian Anderson (52) stellt in „The Crown“ Margaret Thatcher als jemand dar, der die Queen belehrt und geringschätzt … (Foto: Des Willie/Netflix)

Geschmacklos: die Darstellung des Attentats auf Charles‘ Ziehvater Lord Mountbatten 1979. Die Szenen werden untermalt mit Zwischenschnitten von Royals, die Tiere auf der Jagd erlegen – hängen bleiben soll wohl: grausame Royals, selber schuld. Bei dem Attentat ermordete die IRA übrigens nicht nur Charles‘ Onkel, sondern auch dessen Enkel Nicholas († 14), die Mutter seines Schwiegersohns, Lady Brabourne († 83) und ein Besatzungsmitglied …

Das Schlimme an Serien wie „The Crown“ ist, dass sie Schaden anrichten, gerade weil sie so gut gemacht sind. Man kann sich kaum dagegen wehren, dass die Bilder, die dort erzählt werden, inklusive der dort verbreiteten Dummheiten, sich in unserem Kopf einnisten.

Ein Lichtblick bietet diese besonders missratene Staffel immerhin – sie löst eine Debatte aus. Ein witziger Beitrag von Maureen Dowd stand in der „New York Times“. Die Kolumnistin vergleicht Diana mit Trump: So wie die leicht narzisstische Diana am Ende um sich schlug und fast die Monarchie zerstörte, agiere jetzt auch Trump, der auf dem Weg aus dem Weißen Haus noch eben mal versuche, die Demokratie kurz und klein zu schlagen.

Diana († 36) steht im Mittelpunkt der 4. Staffel von „The Crown“. Erzählt wird, wie ihre Ehe von Anfang an darunter litt, dass Charles weiter an Camilla hing. Die Wahrheit: Charles hatte nach der Hochzeit 5 Jahre lang keinen Kontakt zu Camilla! (Foto: Des Willie/Netflix, Tim Graham/Getty Images)
Diana († 36) steht im Mittelpunkt der 4. Staffel von „The Crown“. Erzählt wird, wie ihre Ehe von Anfang an darunter litt, dass Charles weiter an Camilla hing. Die Wahrheit: Charles hatte nach der Hochzeit 5 Jahre lang keinen Kontakt zu Camilla! (Foto: Des Willie/Netflix, Tim Graham/Getty Images)

Und sie verrät, wie Diana über Trump dachte. Dowd war damals 1985 nämlich bei der legendären White-House-Party dabei (die, bei der Diana mit John Travolta tanzte!). „Bei dem läuft es mir kalt den Rücken runter“, soll Diana über The Don gesagt haben. Soll sie! Angeblich. Klingt ja plausibel.