In der neuen B.Z.-Reihe „Frau Försters Fragestunde“ gibt Sexualtherpeutin Jana Förster Antworten auf die Fragen der Leser und gibt Tipps und Ratschläge. Heute mit der Frage: Muss ich meiner Freundin sagen, wenn ihr Mann auf Tinder ist? Und wo fängt Untreue an?

Milena ist Mitte vierzig, hat sich bei Tinder angemeldet. Durch die Profile wischen, unverbindlich mit Männern Kontakt aufnehmen, flirten: Das erwartet sie, wenn sie an Online-Dating denkt. Bis sie eine Überraschung erlebt: sie stößt sie auf ein Profil, das ihr sehr bekannt vorkommt. Weil es der Ehemann ihrer besten Freundin Luise ist!

Reflexhaft macht sie einen Screenshot und wischt erschrocken nach links – weg mit diesem absurden Vorschlag! Aber da endet die Sache für Milena nicht. Dabei ist das, was sie erlebt, gar nicht so ungewöhnlich: Laut einer Studie sind gut 30 Prozent der Tinder-Nutzer verheiratet! Und weitere zwölf Prozent leben in einer festen Partnerschaft.

Milena ist in der Zwickmühle. Soll sie schweigen und damit riskieren, dass ihre beste Freundin weiter eine Lüge lebt? Oder Luise informieren, auf die Gefahr hin, dass sie sich als Botschafterin damit ins Freundschafts-Off manövriert?

Wann fängt Untreue an?

Dahinter steckt auch die alte Frage, ab wann Untreue anfängt. Und darauf gibt es so viele Antworten wie Paare selbst. Für den einen ist das lange Gespräch mit tiefen Blicken auf einer Party schon ein rotes Tuch – andere sehen erst einen Grund zur Eifersucht, wenn es zum Äußersten gekommen ist.

Beim Online-Dating ist es durchaus möglich, dass ein Mann dort angemeldet ist, ohne einen Seitensprung im realen Leben zu erwägen. Aus Langeweile, aus Lust am Flirt oder einfach nur, weil die Kumpels davon erzählt haben.

Das weiß auch Milena. Aber: Gelegenheit macht Liebe. Und ohne Ehrlichkeit geht es nicht!


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Denn Untreue beginnt nicht erst, wenn ER mit einer anderen in die Kiste springt. „Sexueller Kontakt ist nicht notwendig, um Betrug am Partner zu verüben“, schreibt die US-amerikanische Paartherapeutin Shirley P. Glass in ihrem Buch „Die Psychologie der Untreue“.

Eine Internet-Bekanntschaft kann also durchaus Züge einer Affäre haben, und zwar, wenn folgende Kriterien zutreffen: Es ist eine emotionale Intimität entstanden, es gibt sexuelle Chemie und Heimlichkeiten.

Milena kommt zum gleichen Schluss: Hätte Sie Luises Mann mit einer schönen Fremden in vertrauter Pose auf der Straße getroffen, hätte sie ihre Freundin auch informiert! Sie hat Glück: Luise ist ihr dankbar – und nachdem die Fetzen geflogen sind, haben sie und ihr Ehemann endlich das getan, was sie seit Jahren versäumt haben: Offen über ihre Beziehung und ihre Wünsche gesprochen.


Probleme, Fragen, Rat? Unsere Sexualberaterin hilft Ihnen!

Sprechen wir über Liebe und Lust! Sexualberaterin Jana Förster beantwortet in der B.Z. Ihre Fragen, gibt Tipps und hilft bei Problemen.

Denn – mal ehrlich – zu besprechen gibt es immer was. Es kriselt in Ihrer Beziehung, und Sie wissen nicht warum? Es läuft nicht mehr so im Bett wie früher?

In der B.Z.-Reihe „Frau Försters Fragestunde“ können Sie Ihre Fragen stellen – absolut anonym natürlich. Unsere Expertin Jana Förster, die seit 2016 als Sexualberaterin tätig ist, nimmt sich der Probleme an und antwortet ab nächster Woche in ihrer Kolumne darauf.

Schicken Sie Ihre Fragen per Mail an fragestunde@bz.de oder per Post an: Fragestunde, Redaktion B.Z., Axel-Springer-Straße 65, 10888 Berlin