Einmal die Woche schreiben in der B.Z. Berliner Ehrenamtler über ihre Arbeit. Heute ist mal wieder Alexander Heinrich (36) dran, er arbeitet an der TU und ist seit 20 Jahren ehrenamtlich beim Arbeiter-Samariter-Bund im Einsatz. In der B.Z. schreibt er regelmäßig über seinen Alltag als Rettungssanitäter.

von Alexander Heinrich

Fast 75.000 Zuschauer finden bekanntlich auf den Tribünen in einem ausverkauften Berliner Olympiastadion Platz. In meiner ersten Kolumne an dieser Stelle verglich ich diese Zahl mit der Dimension einer Kleinstadt.

Ein hoch emotionaler Ort, an dem Frust und Freude für die Zuschauer von 22 Spielern auf dem Fußballfeld bestimmt werden. Einem Ort an dem gesungen, getanzt, Siege gefeiert und Niederlagen gemeinsam überstanden werden. Als Ehrenamtliche vom Arbeiter-Samariter-Bund sind wir da normalerweise mittendrin.

Während der Corona-Pandemie ist alles anders. Anstatt mit bis zu 100 ehrenamtlichen Sanitäterinnen und Sanitätern, Ärztinnen und Ärzten wie zum Beispiel bei einem DFB-Pokalfinale sind wir jetzt mit einem Rumpfstab von 12 Einsatzkräften vor Ort.

Im Stadion waren am Samstag beim Spiel Hertha gegen Dortmund nur 300 Personen: Spieler, Betreuer, Journalisten. Wir sind immer recht früh da, kümmern uns auch um die Einhaltung der Hygieneregeln. Statt Fan-Gesänge oder LaOla-Wellen hört man jetzt auf einmal Gebrüll der Spieler wie „Raus!“, „Klatsch!“ oder „Hintermann!“.

Für uns hat das leere Stadion den Vorteil, dass wir mehr vom Spiel mitbekommen, ein kleiner Bonus für den ehrenamtlichen Einsatz. Zu tun gab es am Samstag allerdings auch etwas: eine Schnittwunde musste versorgt werden.

Aber natürlich vermissen auch wir die Stimmung und die Euphorie im Stadion. Zurzeit ist das jedoch undenkbar und die Maßnahmen zur Kontaktvermeidung sind richtig und wichtig.

Umso mehr hat es mich gefreut zu sehen, dass viele Hertha-Fans trotzdem vor Ort waren. Nicht im Stadion, sondern draußen. Bei einer Sammelaktion für den Kältebus der Berliner Stadtmission brachten sie für die Aktion „#Hertha-wärmt“ Kleidung und Schlafsäcke für Obdachlose vorbei. Die Solidarität mit den Bedürftigen dieser Stadt ist ungebrochen.

Es wurde mehr gespendet als im Vorjahr. Auch viele vom ASB haben privat Kleidungsstücke gespendet und dazu beigetragen.