Die Gewerkschaft hat offenbar nicht verstanden, wie ernst die wirtschaftliche Lage im Einzelhandel ist und wie sehr die Arbeitsplätze in Gefahr sind, meint Gunnar Schupelius.

Der Einzelhandel ist in großer Not, denn nun gerät auch noch das Weihnachtsgeschäft in Gefahr. Viele Kunden bleiben aus Angst vor einer Infektion zu Hause, die Regierung verhängt außerdem noch Zugangsbeschränkungen für die Geschäfte.

Die Händler hatten mit zwei verkaufsoffenen Sonntagen gerechnet, den 2. und den 4. Advent, die bereits genehmigt sind. Diese Tage würden den Umsatzeinbruch etwas auffangen, hofften sie.

Doch die Gewerkschaft Verdi lässt nicht locker, sie will auch an diesen beiden Sonntagen geschlossene Läden sehen und liefert dafür eine seltsame Begründung: „Der erhoffte Profit von Handelsunternehmen“ dürfe „keinesfalls höher angesiedelt sein als der Gesundheitsschutz von Beschäftigten und Kundinnen und Kunden“, sagte Erika Ritter, die Fachbereichsleiterin Handel im Verdi-Landesbezirk Berlin-Brandenburg.

Wenn Frau Ritter meint, dass der Gesundheitsschutz für Beschäftigte und Kunden im Einzelhandel nicht gewährleistet werden kann, dann müsste sie dafür plädieren, dass alle Geschäfte an allen Tagen geschlossen bleiben. Das Infektionsrisiko ist an einem verkaufsoffenen Adventssonntag nicht höher als an einem Freitag oder Sonnabend.

Und wenn sie den Handelsunternehmen rücksichtslose Profitinteressen unterstellt, so wirkt das angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise wie Hohn. Vielleicht sind die aktuellen Zahlen noch nicht zu Verdi durchgedrungen, nach denen jedes zweite von allen Berliner Unternehmen mit geringer Nachfrage kämpft und jedes vierte von Insolvenz bedroht ist. Im Einzelhandel sieht der Schnitt eher noch schlechter aus.


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In der Gewerkschaft scheint ebenfalls das Bewusstsein dafür verloren gegangen zu sein, dass nur der Umsatz die Arbeitsplätze sichert. In einem geschlossenen Laden gibt es keinen Job. Verdi müsste umgekehrt verlangen, dass die Geschäfte jetzt keinerlei Beschränkungen mehr unterliegen, die ja um jeden Cent Einnahme kämpfen müssen.

Die neuen Corona-Verordnungen sind ohnehin schon wieder ein schwerer Schlag: In Läden mit maximal 800 Quadratmetern Verkaufsfläche dürfen nur 80 Kunden gleichzeitig einkaufen, in größeren Geschäften ist nur ein Kunde pro 20 Quadratmeter erlaubt.

Diese willkürliche Festsetzung erstickt das Weihnachtsgeschäft in den Geschäften. Es werden sich Schlangen bilden, die Menschen werden entnervt ins Online-Shopping ausweichen. Davor warnt der German Council of Shopping Centers e.V., in dem die Einkaufscenter organisiert sind. Vorstand Harald Ortner richtete einen dringenden Appell in Richtung Gewerkschaft: „Geben Sie dem stationären Einzelhandel für das Weihnachtsgeschäft eine Chance, da ansonsten die deutschen Innenstädte nicht mehr zu retten sind.“

Dem ist nichts hinzuzufügen. Die Corona-Verordnungen legen die Wirtschaft lahm und bringen die Arbeitsplätze in eine Gefahr, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht mehr kennen. Jede verkaufsoffene Stunde ist jetzt ein Gewinn für alle.

Hat Gunnar Schupelius recht? Rufen Sie an: 030/2591 73153, oder Mail: gunnar.schupelius@axelspringer.de